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Luftakrobatik auch bei der SG Sontra

Interview und Bericht aus der Werra-Rundschau

Luftakrobatin Lena Rosenstock aus Sontra-Mitterode trainiert begeistert mit dem Vertikaltuch
 

Sontra – Hoch oben in der Halle, getragen nur von Stoff und eigener Körperkraft, verbindet sich Sport mit Kunst: Vertikaltuch. Eine, die diese besondere Disziplin mit großer Leidenschaft ausübt, ist Lena Rosenstock. Die 14-Jährige lebt mit ihrer Familie in Sontra-Mitterode und hat mit der SG Sontra eine Anlaufstelle gefunden, die Hallenzeiten bietet.

Vertikaltuch, auch „Aerial Silk" genannt, stammt ursprünglich aus der modernen Zirkuskunst und entwickelte sich ab den 1990er-Jahren international weiter. Heute ist die Sportart weltweit verbreitet und verbindet Elemente aus Akrobatik, Tanz und Krafttraining. In Deutschland wächst das Interesse stetig – organisiert ist der Sport häufig in Vereinen, Tanz- und Zirkusschulen. Auch in Hessen und besonders in Nordhessen findet Vertikaltuch immer mehr Anhänger. Was das Training am Vertikaltuch für sie so besonders macht, erzählt die 14-Jährige im Interview.

Lena, wie bist du zum ersten Mal mit dem Vertikaltuchtraining in Berührung gekommen?

Das war mit etwa elf Jahren, in der siebten Klasse. Eine Mitschülerin aus Bad Sooden-Allendorf hat mir davon erzählt – und meine Neugier war sofort geweckt. Die Vorstellung, in der Luft zu sein und sich an einem Tuch zu bewegen, fand ich schon immer unglaublich spannend.

Was begeistert dich heute – nach längerer Trainingszeit – immer noch am Vertikaltuch?

Ich mache auch Paartanz, Akrobatik und Poledance, aber am Vertikaltuch liebe ich vor allem die Kombination aus Kreativität und Kraft. Die Übungen sind sehr anstrengend, aber man formt daraus etwas Schönes. Besonders fasziniert mich auch der Zirkusgedanke mit Luftakrobatik. Es ist absoluter Sport – mit viel Kraft, Akrobatik und gleichzeitig wunderschönen Choreografien. Diese Mischung findet man so kaum woanders.

Gibt es einen Moment im Training, den du besonders liebst? Und wie fühlt sich das überhaupt an, wenn man am Tuch in der Luft ist?

Ja, wenn ich später Videos oder Fotos sehe, auf denen eine Übung exakt ausgeführt ist. Das fühlt sich dann wie eine Belohnung für die ganze harte Arbeit an. Einerseits fühle ich mich frei, andererseits bin ich sehr fokussiert auf die Choreografie und die genaue Ausführung der Figuren. Insgesamt fühlt es sich einfach sehr gut an.

Wie oft trainierst du und wie sieht eine typische Trainingseinheit aus?

Am Vertikaltuch trainiere ich einmal pro Woche in Sontra. Zusätzlich mache ich Poledance in Kassel und Formationstanzen in Göttingen und dazu noch normalen Ausgleichssport.

Gab es auch Momente, in denen du ans Aufhören gedacht hast?

Nein, eigentlich nie. Dafür macht mir der Sport einfach zu viel Spaß. Wenn etwas nicht gleich klappt, dann lege ich mich erst einmal auf die Matte und lasse meine Gedanken schweifen. Das hilft mir, ruhig zu bleiben und es danach erneut zu versuchen.

Auf welche Erfolge oder Fortschritte bist du besonders stolz und hast du Vorbilder?

Vor allem dann, wenn eine Übung richtig gut klappt und auf Fotos oder Videos toll aussieht. Außerdem habe ich im Oktober einen Auftritt in Kassel bei Flow and Spin, wo ich ebenfalls trainiere. Polina Uvarova ist ein Vorbild. Sie ist Welt- und Europameisterin in der Luftakrobatik und beeindruckt mich mit ihren großartigen Soloauftritten sehr.

Welche Ziele hast du für die nächste Zeit?

Ich möchte weiterhin Spaß an meinem Sport haben, verletzungsfrei bleiben und alles gut mit der Schule vereinbaren.

Das heißt, du könntest du Dir vorstellen, den Sport noch lange auszuüben?

Auf jeden Fall – auch mit dem Gedanken, später Geld damit zu verdienen. Ich bin aber realistisch und strebe zunächst eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten an. Später kann ich mir Auftritte im Zirkus oder Solo-Shows gut vorstellen.

Was würdest du anderen Mädchen und Jungen sagen, die überlegen, mit Vertikaltuchtraining anzufangen?

Ich würde mich freuen, nicht mehr allein zu trainieren. Austausch und gemeinsame Erfahrungen sind wichtig. Vor allem aber: Probiert es aus – es macht unglaublich viel Spaß und ist ein Sport wie kein anderer. Einfach anfangen und sich nicht entmutigen lassen, wenn nicht alles sofort klappt.

Zum Abschluss: Wenn du dein Vertikaltuchtraining in einem Satz beschreiben müsstest – wie würde er lauten?

Die Bewegung im Tuch ist mehr als nur Sport – sie bedeutet Freiheit und hundert Prozent Körperbewusstsein.

Artikel/Fotos: MATTHIAS HÜBNER (MHü)

Lena Rosenstock (14) lebt mit ihrer Familie in Sontra-Mitterode und besucht die 10. Klasse der Waldorfschule in Eschwege. Sie begeistert sich seit mehreren Jahren für Luftakrobatik. Ihre sportlichen Fortschritte und Auftritte teilt sie auf ihrem Instagram-Account „dance_len_a“.

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In unserer Region bietet die SG Sontra eine Anlaufstelle für Vertikaltuchtraining beziehungsweise Luftakrobatik: Der Verein stellt Hallenzeiten zur Verfügung und ermöglicht damit nicht nur Lena Rosenstock, sondern auch anderen Interessierten, diesen Sport auszuüben.
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